„Islambashing!“

Islambashing!“

Bashing (von engl. bashing „öffentliche Beschimpfung“..)

Heute ist es passiert. Ende September 2019 :

Steigst du jetzt auf „Islambashing“ um?
Das enttäuscht mich. Hätte ich von dir nie erwartet. 😦 ‘‘

Hans Breuer das ist der zweite post von dir innerhalb weniger Tage, der Islam mit Sklaverei in Verbindung bringt.
Als gäbe es das in den anderen beiden großen monotheistischen Religionen nicht?“

und weiter:

In der Berichterstattung wird ja konkretisiert, dass es sich nur um eine angebliche Koranschule handelt.
Aber viele lesen wohl nur die Überschrift (hätte ich auch ohne ihren Kommentar) & so wird weiter Angst vor und Hass gegen den Islam geschürt.
Sowas kann man nicht ohne kritischen Kommentar zu dieser den Inhalt verfälschenden Überschrift/Zusammenfassung teilen.“

…den ganzen Artikel muss ich erst noch lesen, kann ich also im Detail noch nicht beurteilen, geb ich zu.
Aber grundsätzlich, es kommt eben auf die historischen Umstände an und ja, weil gerade besonders stark gegen „den Islam“ gehetzt wird und sich eine wahnhafte Angst davor und einfach übelster Rassismus epedemieartig ausbreitet, bin ich da wohl etwas feinfühlig und das zu Recht denke ich.
Aber natürlich bin ich auch nicht für Selbst-Zensur oder so, wenn man eine Info aus anderen Gründen tatsächlich trotzdem teilen will. Aber dann könnt man doch zumindest ein paar eigene Worte zur Kontextualisierung gleich beim Posten dazusagen in solchen Fällen, die eben auch den herrschenden Rassismus unterstützen können wenn man s nicht kontextualisiert.
Zb eben dass die Menschen von dort zb vor sowas flüchten und deshalb eben nicht dorthin zurück abgeschoben werden dürfen.
Das ist ja tatsächlich ein guter Grund.“

und erklärt mir noch:

Schon klar, dass es nicht „den Islam“ gibt, Hans Breuer; doch finde ich s cool, dass du das auch betonst.
Aber ist es ja derzeit nunmal so, dass alles wo das Wort Islam oder Koran vorkommt vielfach eben nur als Bestätigung dafür, wie schlimm „der Islam“ sei, bei den Menschen ankommt. Da ist die Stimmung einfach halt wirklich fatal grad in unserer Gesellschaft. Und diesen Faktor unberücksichtigt zu lassen oder zu verharmlosen können wir uns halt echt nicht leisten als antirassistische Linke, oder?“

oder doch. Ich kann mir das locker leisten.

Ich bin kein Wissenschaftler, kein Sonstwas-Experte außer Schaf-Hüte-Experte und a bissl Jiddische-Lieder-Experte.

Als ich ein Kind war in Favoriten, war da noch nix. Kein Islam und kein „Islam“ – es gab Gastarbeiter, Jugoslawen und Türken hauptsächlich. Am Südbahnhof kamen sie an, da hörte ich einmal eine Blasmusikkapelle wohl zum Empfang spielen. Sie machten die Drecksarbeiten, rochen verschwitzt in der Straßenbahn und nach Zwiebel.

Ich hasste den Hass, die unverhohlene Abneigung, mit der sie oft angesehen wurden. In meiner Schulzeit kann ich mich an keinen einzigen türkischen Mitschüler erinnern.

Als ich am Cobenzl Schäfer wurde, lernte ich die ersten Kurden und Kurdinnen kennen. Sie kamen, um ein Schaf zu kaufen und ich lernte, wie man richtig schlachtet. Ja, schächtet. Ich erfuhr Näheres über den Krieg des Militärregimes gegen ihre Dörfer, das Verbot ihrer Sprache in der Türkei, den verhängnisvollen Staudamm und empfing das Epos „Mam und Zin“, bei dem ich Tränenströme weinte.

Ich entdeckte An Nachtfeuern der KarawanSerail, Märchen und Geschichten alttürkischer Nomaden, Elsa Sophia von Kamphoevener, und las sie gerne Freunden und später meinen Kindern vor.

Ich lernte Filz-Machen und filzte Teppiche mit kurdischen Freunden. In den Familien aus der Türkei war es oft ganz gemischt, welche von den vielen Töchtern ein Kopftuch trugen und welche nicht.

Als Erdogan noch im Häfen saß, kamen unter den Kemalisten aber nicht nur linke Türken und Kurden nach Wien, sondern auch Kopftuchträgerinnen, die froh waren, sich hier so kleiden zu dürfen, wie sie wollten, sodass ich in Wien 1998 mehr Kopftücher sah, als in Istanbul.

Auf dem Lichtermeer boten wir Haider die Stirn, damals hetzte er noch gegen „die Ausländer“.

Dann verschob sich das Ganze in mehreren Schritten zur Hetze gegen „den Islam“. Als sich der widerliche Bischof Krenn zum ersten Mal dazu entblödete, im Morgenjournal zu verkünden „Der Islam ist unser Feind!“, da schrieb ich ein Lied dagegen.

https://www.youtube.com/watch?v=xzCkD8Oi24w

DAS war übrigens die erste Textversion zu diesem Lied, denn ich hatte damals gerade das Buch von Malouf gelesen:

https://www.amazon.de/Heilige-Krieg-Barbaren-Kreuzz%C3%BCge-Araber/dp/3423340185

Maara

Maara

1.Vor dem Städtchen Maara am Weg nach Kanaan

Tausendachtundneunzig – das Jahr, das schrieb man dann

Als Kreuzritter erschienen, fünf mal tausend Mann

Sie fingen die Belag`rung Ende November an

Die Einwohner von Maara sie fürchteten sich sehr

Nur etwa vierzehn Tage hielt sich die Bürgerwehr

Als dann der Oberritter ihr Leben garantiert

Da hab´n die armen Menschen dann doch kapituliert

(Ref.)Doch das, was dann kam, nein! ich glaub es nicht!

Die Ritter hielten – ihr Versprechen nicht

Drei volle Tage schlachten sie alle ab

Kein Menschenwesen bleibt leben in der Stadt

Um sie zu essen, fachen sie Feuer an

Kochen in Kesseln gar viele, Frau und Mann

Spießen die Kinder auf große Spieße auf

So gestärkt brechen sie zum Grab Jesu auf

2.wenn ein bischof predigt: „islam ist unser feind!“

sind heute so wie früher die schätze nur gemeint

einst war´n es edelsteine, reliquien oder gold

und heute ist es erdöl, hauptsach` der Rubel rollt

die den eignen glauben über alles stellen

sind die aller-ersten die die menschen quälen

fundamentalisten, egal welcher couleur

ob moslems oder christen, schenkt ihnen kein gehör

(Ref)wir sind nicht besser – auch wenn’s euch nicht gefällt

alle gemeinsam – es gibt nur eine welt

so viel zu lernen von jeder art kultur

um zu verstehen müssen wir zu-hör`n nur

jeder will leben – kein mensch ist illegal

in welcher sprache – das ist doch ganz egal

wir brauchen vielfalt – und alle akzeptanz

leben die liebe – nicht als ein totentanz

3.Wenn du mich jetzt fragst, mann, was geht mich das an

Sag ich, schau den Lehrplan in der Schule an

Da reden sie noch immer von Türkengefahr

Doch Urlaub in Antalya – das ist für jeden klar

Wenn die großen Wächter von Moral und Recht

Ihre eignen Sünden bekennen wär das recht

Dann wärs für uns alle viel besser bestellt

Ohne Krieg und Hunger herrlich wär die Welt

Daraufhin sagte meine türkische Partnerin: „Bist du wahnsinnig?! Dazu kann man doch nicht tanzen! Tu das mit Maara ganz weg, der Rest is okey..“

In mehreren Schritten: „Schurkenstaaten“…“War-on-terror“ seit 9/11…mit allen weltweiten Auswirkungen, rückten „Terroristen“, dann „muslimische Djihadisten“, Taliban in den Fokus der Meinungsmacher.

Bis schließlich die verschiedenen Fraktionen des österreichischen Faschismus – die türkis-schwarz-gelben Austrofaschisten und die tiefbraunen Deutschnationalen – in Konkurrenz um das Stimmvieh von Schicklgrubers Volk im vorherigen Wahlkampf „den Islam“ offiziell zum großen Feind erklärten, vor dem man das „jüdisch-christliche Abendland“ und das Wienerschnitzel verteidigen müsse.

Seit zwanzig Jahren wird von hetzerischen Politikern und Medien dieser Unsinn entwickelt, zentral dabei ist, dass stets die Begriffe Islam, Islamismus, Salafismus und Djihadismus systematisch durcheinandergeworfen und falsch verwendet werden – durchaus auch durch die sogenannten guten Zeitungen.

Inzwischen war Erdogan vom Gefängnis auf den Präsidentenstuhl gewandert, der sogenannte „Islamische Staat“ errichtete mit seiner Unterstützung sein Schreckensregime und es entstand nach und nach dieses faschistische Doppelpack feindlicher Brüder.

Die Werte, die Kurz verteidigen will, sind durchaus die gleichen, die Erdogan teuer sind: Frauen zurück an den Herd, keine LGTBQ-Rechte, der Mann als Herr im Haus, alle Rechte im Betrieb dem Chef, Privatbesitz über Alles, Gott-Vaterland-Familie!

Sie hetzen erfolgreich gegeneinander, wobei sie oft Recht haben mit ihren Vorwürfen, kreidet doch jeder dem anderen seine Feindlichkeit der jeweils anderen Kultur gegenüber an und die nationalistischen Untöne, die Ungerechtigkeiten, sowie den Eroberergeist, das Profitinteresse – und wahrlich findet sich eben bei beiden genug Stoff für solche Kritik!

Dieselben türkischen Frauen und Männer, die in den Neunzigern noch froh waren, hier zu sein, ihr Kopftuch unbehelligt tragen zu dürfen und nicht auffielen, sie sind jetzt nationalistisch bestärkt und treten beim Besuch des „Sultans“ massiv auf die politische Bühne. Für linke Türken und besonders für Kurden, selbst wenn sie keine Nähe zur PKK haben, wird es gefährlicher, auch hier in Wien.

Dazu kommen in den letzten Jahren viele Geflüchtete, die gleich von Islamisten der konservativen Mitte empfangen werden. Dass sie vom österreichischen Staat verachtet und gedemütigt werden, von den Soldaten an der Grenze, den AsylbeamtInnen, Richtern und Polizisten; dass sie jahrelang nicht arbeiten dürfen, ausgebeutet und benachteiligt werden, ja, Abschiebungen befürchten müssen ist für viele eine herbe Enttäuschung.

Respekt und freundliche Aufnahme finden sie in der Moschee.

Schimpfen westliche Politiker jetzt auf Erdogan, empfinden sie das als ungerecht (was es ja ist! Denn die Politiker sind ja nicht ehrlich, wenn sie gegen Erdogan hetzen und gleichzeitig ihn mit Rüstungsgütern versorgen, etc)

Was linke Gewerkschafter in Frankreich in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg schafften, nämlich die Organisation frisch Eingewanderter in einer eigenen – übrigens sehr kämpferischen – Gewerkschaft für immigrierte Arbeiter, MOI, das wurde hier von niemandem versucht.

Ein Teil der Linken aber setzt diesem verderblichen Spiel noch die Krone auf:

Anstatt mit linken Türken und Kurden, mit kritischen, der Religion abgewandten Menschen ein Bündnis zu schließen, biedern sie sich jenen an, die sich neuerdings auch öffentlich selbst als „Muslime, Muslimin“ bezeichnen, ihre Identität also zuerst über die Religion definieren.

Die Jahrzehnte-lange Benachteiligung und schlechte Behandlung ruft in der dritten Generation Wut und Ablehnung „des Westens“ hervor und die Schwäche der Linken überlässt Viele den Islamisten. Konvertierte Österreicherinnen fordern Frauenrechte, verteidigen die freie Wahl der Bekleidung – und meinen damit die freie Wahl des Kopftuchs, welches natürlich „kein religiöses Symbol, sondern nur ein Kleidungsstück“ sei. Mit Frauen etwa aus dem Iran, die mit Stockschlägen, Gefängnis und Folter bedroht sind, wenn nur eine Locke hervor schaut, erklärt man sich solidarisch, unterdrückt aber ihre „Islamkritik“. Denn „es geht ja um die Probleme hier“ und da will man die „muslimischen ArbeiterInnen“ nicht vor den Kopf stoßen, sonst sind wir zu wenige auf der nächsten Demo.

In der „Refugees-Welcome-Bewegung“ wurden viele bis dahin unpolitische Menschen, ja sogar einige FP-WählerInnen spontan aktiv und setzen sich inzwischen seit Jahren für ihre „Schützlinge“, „Adoptivsöhne“, Familien ein. Diese HelferInnen sind, so wie auch ich, tief beeindruckt von der Gastfreundschaft dieser Menschen aus Ländern mit vorwiegend islamischen Kulturen. Auch wenn sie selbst fast gar nichts haben, bewirten sie jeden Gast mit Tee. Der respektvolle Umgang, die höfliche Zurückhaltung und Freundlichkeit, die Rücksichtnahme … beeindruckende Umgangsformen, die für viele von uns in dieser Intensität neu sind.

Leider führt das offensichtlich bei Einigen zu einer Art Beiß-Reflex gegen vermeintliche (!) „Islamkritiker“, also gegen jedeN, die/der irgendetwas an einem islamischen Land kritisiert, oder an einer Praxis von Unterdrückung, die mit dieser Religion in Zusammenhang steht, oder an Vorkommnisse in einem muslimischen Land.

Den Islam“ kenne ich nicht. Deshalb würde ich auch nie eine „Religionskritik“ üben, dazu weiß ich einfach viel zu wenig. Ich bin Atheist und finde Religion generell abscheulich. Je strenger die Moral, desto ablehnenswerter. Ich liebe Menschen. Für mich ist wichtig, was jemand tut, nicht, wie er/sie sich kleidet oder was er/sie glaubt. Das hält mich sicher nicht davon ab, einen Beitrag über Sklaverei in Mauretanien zu teilen ( https://www.lalibre.be/international/en-mauritanie-les-filles-esclaves-de-9-ans-sont-violees-par-le-maitre-ses-fils-son-chauffeur-ou-son-hote-de-passage-58aece08cd70ce397f183305?fbclid=IwAR0kN4MWw3SSWOzLkenyOiL4BhBnWTvtoziVEiiO5XF_S-1cJVfJrUJcEwA#.XYjODpsKjfd.facebook ) oder den Bericht über die Befreiung hunderter Kinder aus den Händen von Banditen in Nigeria ( https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-09/nigeria-koranschule-misshandlung-folter-befreiung-polizei?utm_content=zeitde_redpost_zon_link_sf&utm_medium=sm&utm_campaign=ref&utm_term=facebook_zonaudev_int&wt_zmc=sm.int.zonaudev.facebook.ref.zeitde.redpost_zon.link.sf&utm_source=facebook_zonaudev_int&fbclid=IwAR33MV8QZ3zQjLmw04jMvc670EhSzgrR5tlXs84fvnAv4zvX84R2LrDhlRc ).

Menschen, die aus muslimischen Staaten stammen, sind für mich nicht automatisch „Muslime“ und ich möchte sie nicht als solche ansprechen. Die wenigsten von ihnen sind streng religiös, viele sind klar Atheisten oder einfach überhaupt nicht an Religion interessiert. Sie sind für mich Studenten, Arbeiter oder auch Intellektuelle und wenn sie sich so fühlen, sind sie für mich österreichische Kurden oder türkische Österreicher, gleich wie österreichische Chilenen oder Jugoslawen.

Während die Hetze sich bereits deutlich in Umfragen und Wahlergebnissen niederschlägt, arbeitet die hiesige bürgerliche Presse weiter daran, die Tatsachen durch Begriffsverwirrung zu verdrehen und die Spießbürger in ihren dummen Vorurteilen zu bestätigen, hier sehr gut aufgezeigt:

http://www.schantall-und-scharia.de/oesterreichische-journalisten-sind-eben-auch-nur-oesterreicher/?fbclid=IwAR2ILUmSXlh0nSEMN4UbJCuzjlfcm00-wob8up7Tqx4v-Wuzm13bGteiZTE

Doch ist es mit der „Gefahr des Islam“ ähnlich schwierig wie mit einem Patienten, der unter Verfolgungswahn leidet und gleichzeitig tatsächlich von einem Geheimdienst bespitzelt und überwacht wird.

Wenn auch die Hetze massiv ist – ebenso wie die Hetze Erdowahns gegen den Westen, „die Kreuzfahrer“ – und dumm, wie eben Hetze immer ist, so gibt es daneben (und teilweise als Reaktion darauf) eben auch die wirkliche Gefährdung durch faschistische Gruppen wie die Mörderbande der „Grauen Wölfe“, deren Wolfsgruß der Schlächter vom Bosporus gerne zeigt und große islamistische Verbände, in deren Schoß solche Gruppen ihr Fischwasser finden. Antisemitismus und Verachtung von westlich gekleideten Frauen, gefährliche Homophobie sind keine Seltenheit und kommen noch zum Haufen der heimatlichen Faschisten dazu, als ob wir mit denen nicht genug hätten.

Es stört mich aber auch, wenn junge Frauen, die hier aufgewachsen sind, mit sechzehn in der Disco alle Freiheiten genießen, uns dann mit zwanzig im „Biber“ erzählen, wie wundervoll sie sich fühlt, die Haare zum ersten Mal mit „dem Tuch“ bedeckt und wie sie sich mit Gott verbunden fühlt. Um dann (sic!) zum ersten Mal zu erleben, welchem Rassismus eine „sichtbare Muslimin“ in Wien auf der Straße ausgesetzt ist. Diese neue Art von Heldinnentum kann mir gestohlen bleiben, denn der Hass ist unumstritten, aber die Religion wird hier absichtlich aus den eigenen vier Wänden hinausgetragen und zum politischen Kampfsujet.

Vor vierzig Jahren wähnten wir die schädlichen Einflüsse der katholischen Zwangsmoral und ihrer Körper- und Sexualitäts-feindlichkeit überwunden. Doch trotz einer Million Missbrauchsskandalen ist die Kirche nach wie vor mächtig. Leute wie Kurz bemühen sich eifrig, das Rad der Geschichte wieder zurück zu drehen.

Und dazu kommt durch die Hintertür jetzt noch der steigende Einfluss einer strengen konservativen Moral, welche die Geschlechter trennen, den nackten Körper möglichst bedecken will, uswusf

Und ich als radikaler Linker, dessen Großeltern schon Anhänger der Freikörperkultur waren, soll diese „Rechte“ verteidigen, nur weil die Rechten hetzen?!

Ok! Das tue ich.

Aber ich nenne es auch beim Namen und werde weiterhin jedeN unterstützen, die/der sich von solch rückschrittlicher Doppelmoral freikämpft. Die junge, tapfere Mutter aus Eritrea, die wegen ihrem „unehelichen“ Kind von der eigenen Familie bespuckt und verstoßen wurde. Die türkische Gefährtin, die gegen die Erwartungen von ihrer Community sich ihre LiebespartnerInnen, deren Herkunft und Geschlecht, selbst aussucht, und wenn sie noch so geifern.

Wenn ihr das jetzt „Islambashing“ nennen wollt?

Tut euch keinen Zwang an!

Und wer von meinen LeserInnen mehr über die vielen Seiten der islamischen Welt erfahren will, der kann ja mal hier mit dieser Sichtweise beginnen:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2015-05/is-terror-unislamisch?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.facebook.ref.zeitde.share.link.x&utm_medium=sm&utm_source=facebook_zonaudev_ext&utm_campaign=ref&utm_content=zeitde_share_link_x&fbclid=IwAR1uNnIbqIK3ULucxXgvnfaEStPixJWzaLfzQWJl6VkXr2XDvVN0aExk1nk

Von Jägern und anderen Feinden.

Warum es in Österreich 2019 keine Wanderschäfer mehr gibt.

1997 gab es in Österreich mehr als 12.000 bewirtschaftete Almen.

Seetaler Alpen auf dem Weg zur Kulmer Alpe 3Schon damals wurden viele Almen nicht mehr bestoßen, wie es in der landwirtschaftlichen Sprache heißt. 2018 werden nur mehr 8400 angeführt.

Im Herbst 2012 aber fand ich trotz intensiver Suche in ganz Österreich keine Sommerweide für unsere täglich gehütete und des nachts in Elektronetz-Zaun eingepferchte Schafherde von 760 Mutterschafen plus Lämmern.

Warum?

Östlich der Linie Judenburg-Linz gibt es kaum Bauern-Almen. Die Großgrundbesitzer, hauptsächlich alter Adel und Klöster, sowie auch die Forstdirektoren der öffentlichen Hand (Bundesforste, Gemeinde Wien, Land Steiermark..) sind derart überzeugt davon, dass Schafe die Jagd stören, dass es in Niederösterreich sogar ein gesetzliches Verbot des Auftriebs von Schafen und Ziegen auf Almen gibt. Bei meinen wiederholten Versuchen, Gespräche über Schaf-Alpung mit kontrollierter Beweidung zu erreichen, wurde ich von den Besitzern meist gar nicht empfangen.

Wand-Seig durch die Eisenerzer Höhe

Erst ab den Seetaler Alpen gibt es Alm-Berge im Bauern-Besitz. Dort wurde ich ab 1992 fündig: Bauern, die ein paar hundert Hektar Wald und Almflächen besitzen, in der Regel selbst Jäger und Bewirtschafter von Eigenjagden sind und, weil ihre Großväter selbst noch Schafe auftrieben, wissen, dass bei entsprechender Umsicht kein Schaden sondern durch Schafbeweidung ein oft großer Nutzen für die Jagd entstehen kann. Denn das Wild allein kann die Flächen nicht freihalten und während Großgrundbesitzer wie die Meier-Mellnhof lieber hunderte Almflächen zuwachsen („verganden“) lassen, waren einzelne Bauern gerade wegen ihrer Jagden auf sonnseitigen Berghängen an kontrollierter Schafbeweidung interessiert.

20 Jahre lang zog ich mit meinen PartnerInnen alljährlich im Frühjahr auf steirische Almen auf dem Zirbitzkogel und den Wölzer Tauern. Während ein langandauerndes Pachtverhältnis aus Rache einer Tochter an ihrem diktatorischen Vater gekündigt wurde, erneuerte die bäuerliche Almgenossenschaft, der wir zuletzt 5 Jahre lang je 3000.- Euro für zwei Monate Almpacht gezahlt hatten, einfach den Vertrag nicht, weil nun der Oberjäger Genossenschafts-Vorstand wurde. Ich dehnte meine Suche bis nach Vorarlberg aus, allein umsonst.

Dass in einem unserer letzten Almsommer Professor Holzner von der BOKU uns bescheinigte, dass unsere Art der Haltung die einzig richtige Pflege für solche Gebiete sei, reichte nicht aus, uns eine Alm für 2013 zu beschaffen. So waren wir gezwungen, im Herbst 2012 das Gros unserer hellbraunen Jura-Schafherde zu verkaufen und behielten für die Jahre danach nur 100 Mutterschafe, um im Südburgenland eine kleine Vorzeige-Herde für meine Kinder und Kindeskinder, FreundInnen und Schulklassen zu führen.

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Herrenbauern mit deutschnationaler Gesinnung

„Na, habts eh guat hergfunden? Is ja alles fest in Deutscher Hand!“ so begrüßte uns der erste Eigenjagd- und Almbesitzer. Nie werde ich diese Worte vergessen. Genausowenig, wie diejenigen „Herrenbauern“, die ihre Frauen und Kinder regelmäßig verprügeln. Oder jene, die uns wegen der Touristen unseren Wohnwagen nicht auf flaches, sicheres Gelände stellen ließen, obwohl wir für die Wanderer eine große Attraktion waren und als einzige bei jedem Wetter hinauf mussten zum Hüten auf den lebensgefährlichen Steilhängen. Der Wohnwagen wurde durch eine Mure zerstört, es gab Abstürze mit anschließenden Spitalsaufenthalten und tote Schafe und Lämmer. Doch nie wäre es den Bauern eingefallen, uns nach solchen Verlusten etwa einen Teil der Pacht nachzulassen! Sie nahmen uns aus wie die Weihnachtsgänse und gaben uns Anweisungen wie früher, als die „Schafler“ ganz unten in der Hierarchie des Gesindes der Großbauern standen, obwohl sie nur mehr eine schwache Ahnung von den Gegebenheiten des Hütens haben. Wir mussten 13 Jahre lang einen Vertrag akzeptieren, der uns für jeweils zwei Stunden vor Sonnenuntergang bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang in der Almhütte einsperrte!

Es gab auch andere. (Bauers-)Familien, die uns halfen und beherbergten, obwohl sie keinen Nutzen durch uns hatten, uns jahraus jahrein unterstützen, mit herrlichem Ribisel-Streusel-Kuchen, Melissensirup, gemeinsamem Gesang von Volksliedern und vielem mehr. Sie waren wie Leuchttürme der Menschlichkeit auf unserem Weg, ihnen gilt unser Dank und wir vergessen sie nie.

Einzementierte Vorurteile und das Gefühl von Macht

Auf der Kulmer Alpe standen Abend für Abend hundert Stück Rotwild auf der Wiese unter der Hütte. Am liebsten fraßen die Hirsche das Eiweiß-reiche, frische Grün, das heraus spross, wo wir zehn Tage zuvor die Schafe gepfercht hatten. Auch Gemsen, Rehe, Hasen scheuen sich nicht, neben der Schafherde zu äsen, sind sie doch alle Wiederkäuer – doch die meisten Jäger „wissen es besser“ und sind nicht vom Gegenteil zu überzeugen.

Boris Zirbitz Hütte, Herde

Dabei geht es – vom kleinen Jagdpächter bis zum großen Neureichen oder Prinzen – um das Gefühl von Macht, und uneingeschränkte Herrschaft über ein Stück „wilde Natur“, sowie um gesellschaftlich sanktionierte Erlaubnis zum Töten und Schießereien zu veranstalten, Wachtürme aufzustellen, etc.

Faschistoider Tierschutz

Zu den ärgsten Bedrohungen für unsere Tätigkeit gehörten selbsternannte „Tierschützer“, die teilweise die Unterstützung von Amtstierärzten, Gendarmen oder Staatsbeamten bekamen. Für etliche dieser Leute stellt das Fremde, „die sind ja nicht von hier, haben kein Land und glauben, sie können hier ganz einfach machen, was sie wollen“, ein Ziel für ihre Aggressionen dar. Sie meinen, sich für die „armen Viecherln“ einsetzen zu müssen und entwickeln dabei keine Hemmungen gegenüber Menschen. Auch nicht, wenn die Schäferin gerade schwanger ist, zwei kleine nasse Kinder versorgen muss, die Herde zum Pferch führen muss – alles egal, wenn solche einmal in Fahrt gekommen sind.

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Keine Nachfolger

Obwohl insgesamt sicher einige tausend HelferInnen im Lauf der Jahre mich für Wochen oder Monate begleitet haben, um diese einzigartige Erfahrung zu machen, findet sich heutzutage kein Mensch, der diese Tätigkeit langfristig ausüben will. Zu schwierig sind die Arbeitszeiten, die Trennung von Familie oder PartnerIn, bzw. von der Gesellschaft überhaupt. Zu viele Bedrohungen durch paramilitärisch angehauchte Jäger, zu viele Aggressionen von Grundbesitzern, Bauern und ausufernden PolizistInnen.

Kosten übersteigen Einnahmen

Dass auch wir heutzutage von nur 100 Mutterschafen und ihren jährlichen Lämmern als Schäfer-Familie nicht überleben können, war uns eigentlich klar, als wir die Schmalspur-Herde im Südburgenland begannen. Denn ohne Allradfahrzeug, mehrere Anhänger, Elektrozaun-Netze, die alljährlich nachgekauft werden müssen und Mobiltelefon mit Internet geht heute gar nix mehr. Wir reduzierten unsere Autos, unsere Bedürfnisse und hielten uns mit dem Sammeln von Kräutern und Wildgemüse über Wasser, mit etwas Gartenbau und Dumpstern. Doch auf Dauer erschien es unmöglich auch nur ein gutes Schäferei-Fahrzeug zu finanzieren.

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Ewiggestrige im Staatsapparat

Ob in einzelnen Bezirkshauptmannschaften, Wasserabteilungen oder Wachstuben. Was wir im Südburgenland an Dilletantismus, gepaart mit Fremdenfeindlichkeit und horrender Rechtsbiegung erlebten, stellte alles Vorherige in den Schatten. Gemeinden, wo man auf Krieger-Denkmälern in goldenen Lettern den „Freunden in Amerika“ dankt, wo Wehrmachtssoldaten alljährlich noch als „Helden“ geehrt werden, wo der SS-Mörder Alois-Brunner als einzige wichtige „historische Persönlichkeit“ des Ortes auf Wikipedia geführt wird, brauchen keinen jüdischen Schäfer – er könnte sie zu sehr an die Verbrechen der jüngeren Vergangenheit, an die vergrabenen Gebeine der Ermordeten erinnern… So erklärt eine Bezirkshauptfrau den Schäfern ganz offiziell den Krieg und schickt einen Brief an alle Polizeiposten, diese Wanderschäfer streng zu kontrollieren und sofort anzuzeigen, wenn sie irgendwas entdecken. Die Schikanen bleiben nicht aus und werden durch haarsträubende Gummiparagrafen im Landesgesetz ermöglicht, von einer ebenso haarsträubenden Justiz gedeckt.

Den Wölfen entgangen

Was uns wenigstens erspart geblieben ist, kann man in den Berichten von Schäfern in Frankreich und Deutschland sehen: die konkrete Auseinandersetzung mit dem Wolf. Sie hätte uns garantiert überfordert. All die Argumente der selbsternannten Wolfs-Experten, all die angeblich leicht zu bewältigenden Schutzmaßnahmen – ein Hohn, Übungsparkour für schlaue Wölfe. Durch die Fehlentwicklung der „modernen Tierzucht“ und die emotionale Betroffenheit großer Teile der Bevölkerung findet eine übersteigerte Idealisierung von „Wildnis“, „natürlicher Haltung“, „unberührter Natur“ statt, deren Opfer genau jene Menschen werden, die sich in entlegenen Tälern oder an steilen Berghängen noch der Leerung der Landschaft von Mensch und Tier entgegenstemmen. Für sie gibt es kein Pardon von den modernen Städtern, welchen jeder Wolf oder Braunbär viel wertvoller erscheint als die alte Frau, die noch ein paar Schafe in dem Graben hält. Schafe gibts eh viel zu viele auf der Welt – und Menschen auch. So lautet die verkürzte Formel ihrer Weltsicht, deshalb: „Adieu!“

https://www.almwirtschaft.com/Almwirtschaft/oesterreichische-almwirtschaft.html

https://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/671228/Grundbesitz_Wem-gehoert-Oesterreich

https://diepresse.com/home/zeitgeschichte/4689822/Massaker-in-Rechnitz_Mord-als-Mitternachtseinlage-

youtube: Die schwerwiegenden Folgen der Wiederkehr des Wolfes in Frankreich

Der Traum von einem Leben in Freiheit. (wandern an der Raab)

traum freiheit an der raabAls hinter dem Eisernen Vorhang noch der Pöse Kommunismus die Menschen am Reisen hinderte, galten diejenigen als Helden, die versuchten, in die westliche Welt zu fliehen.20171231_152906.jpg

Nein, ich will weder den Stalinismus, noch den poststalinistischen Staatssozialismus schönfärben. Ich habe dieses System aus mehreren Perspektiven schon als Kind und junger Mann in all den europäischen Ländern erlebt und wäre dort ein Leben lang als Dissident gesessen oder eben geflohen. 20171231_152926.jpg

Doch solange diese Konkurrenz zum Kapitalismus währte, gab es hier noch gewisse Hemmungen, Arbeiterrechte und soziale Errungenschaften kurzerhand abzuschaffen. Inzwischen sind die Mauer, der Eiserne Vorhang und alle Hemmungen des Neoliberalismus und seiner Kapitäne gefallen.20171231_152951

Aber ehrlich: Hat damals irgendjemand einen „Ost-Flüchtling“ danach gefragt, ob es eher wirtschaftliche oder politische Gründe waren, die ihn/sie angetrieben hatten? Oder nur die vorenthaltene Reisefreiheit?20171231_153108.jpg

Und echt jetzt: Glaubt irgendwer von euch, dass es in Afghanistan heute angenehmer zu leben ist, als damals in Ungarn, es weniger „gute“ Gründe zur Flucht gibt?

Und wie haben wir es mit der Reisefreiheit von Menschen aus dem globalen Süden? Für sie gilt das nicht? Menschenrecht 2018?20171231_151715.jpg

es gibt viele verschiedene (männer? unfreiheiten?)

 ich habe mir als kind schon nächtelang überlegt, dass ich lieber eine frau wäre. dann wäre mein leben ganz anders verlaufen. ich träumte nie von einem gut bezahlten job, weil mir geld schon als kind nicht wichtig war. ganz einfach, weil es mich nicht berührt und es andere dinge im leben gibt, die meine sehnsucht viel stärker auslösen. ich sehnte mich danach, kinder zu bekommen, zu gebären, und die natürliche kraft dazu zu haben. zu stillen. wie gerne wäre ich eine frau geworden, um begehrt zu werden, mich einfach hinzugeben, wann immer ich lust verspürte. später schenkte mir das leben die gelegenheit, meinen kindeswunsch erfüllt zu erleben. vorher bot ich einigen befreundeten frauen an, ihre kinder aufzuziehen. frauen, die eigentlich nicht schwanger werden wollten, aber im falle, dass es doch passieren würde, keine abtreibung wollten. eine andere gute freundin wollte ein kind, aber sonst nix von mir. ich gab ihr meinen samen und sie versuchte sich damit selbst zu befruchten. als ich zum ersten mal vater wurde, war ich überglücklich und so war es auch die nächsten vier male. weil ich so gerne mit kindern lebe gibt es jetzt wieder zwei kleine in meinem tagesablauf, sodass ich für meine sieben enkelkinder gar nicht genug energien aufbringe. zum glück war ich nie alleinerzieher. ich fand frauen immer viel nachamenswerter, bewunderte meine mutter mehr als meinen vater, träumte von rosa luxemburg, frieda kahlo, joan baez, wie sie mit ihrem kleinen kind am schoß dylan imitiert. ich spielte von klein an gerne mit mädchen,auch wenn einige burschen am wienerfeld deshalb steine nach mir warfen. im kindergarten verteidigte ich ein mädchen mit mandelaugen gegen die gesamte meute und wurde „jud“ geschimpft. als bub hatte ich in der strassenbahn öfters sehr langen blickkontakt mit erwachsenen frauen, während ich mir ihr schweres leben vorstellte: die schweren einkaufstaschen, die anstrengenden kinder vielleicht, der mann, der saufen geht. mit den augen versuchte ich es zu erfassen. ich hatte nie den „schmäh“ bei den mädchen, deshalb auch lang keine freundin. war schüchtern, aber tanzschule-gehen fand ich abstoßend. all diese benimm-regeln, dieses geheuchelte gute benehmen.. karriere in einer firma oder so habe ich nie angestrebt, das schien mir viel zu öde. und ein akademiker unter akademikern, die nazis in ihren reihen tolerieren, dagegen entschied ich mich schon mit dreizehn bei der borodajkewycz-demo, bei der ernst kirchweger erschlagen wurde. drei viertel meines bisherigen lebens hielt ich mich für einen schlechten menschen und hasste mein mann-sein. erst nach jahrelanger arbeit und sehr berührenden und tiefgehenden erfahrungen lernte ich langsam, mich ein bissel zu lieben und auch mein mann-sein. es ist eine patriarchalische, kapitalistische scheiß-gesellschaft, in der das glück der menschen keinen stellenwert hat. außer, wir geben ihm einen.

Aufklärung für die „ganz Dummen“,

aufklärung für

für die, die sich blöd oder unwissend stellen, sowie für jene, die wirklich noch nicht wissen, was typisch jüdische Namen bei vielen Österreichern anklingen lassen, bzw wie Antisemitismus unterschwellig oder offen für politische Ziele eingesetzt wird.

1. Antisemitismus hat in Österreich eine Jahrhunderte alte Tradition, doch darüber erfährt man kaum etwas im Geschichtsunterricht. Wer weiß zB schon, dass die Juden – auf Bitte der steirischen Stände – vierhundert Jahre aus der Steiermark ausgesperrt blieben, nachdem sie davor dort ansäßig waren?

2. So wie Juden von Papst und Fürsten vorgeschrieben wurde, von weitem erkennbare, sie entwürdigende Hüte zu tragen, so wurden sie auch gezwungen, ungewöhnliche Familiennamen, wie Rosenbusch, Goldberg oder eben Silberstein zu tragen, welche sie brandmarken sollten, sodass jeder gleich wüsste, mit wem er es zu tun habe.

3. Die Liste der Prediger und Politiker, die durch wiederholte Beschuldigungen und falsche Unterstellungen gegen ‚Die Juden‘ Karriere gemacht haben, ist lang und reicht bis in unsere Zeit.

4. Die Nazis verwendeten alle auffindbaren Klischees und fügten noch einiges hinzu. Eine ganze Generation ist im Faschismus aufgewachsen und hat ihre Kinder vielfach in diesem Ungeist erzogen.

5. Wer diese Namen, die selbst schon quasi Stigmata darstellen, in der Mehrzahl, oder – noch übler – in Verbindung mit der Nachsilbe -frei oder -rein verwendet, dessen (un)heimliches Ziel ist es, Sympathien bei Zuhörern zu gewinnen, indem er ihnen die Gelegenheit bietet, ihrem zumeist unterdrückten Hass auf ‚Die Juden‘ vorübergehend freien Lauf zu lassen.

Wo die Grundrechte Europas von der Zivilgesellschaft verteidigt werden. Ein Besuch im Roya-Tal und in Ventimiglia.

 

ced55„Ich selbst kann nichts Verbotenes mehr machen. Ich werde zu intensiv überwacht..“ erklärt Cedric Herrou und zeigt nacheinander in drei verschiedene Richtungen auf die steilen, grau-grünen Berghänge, die sein Stück Land umgeben. „Dort hocken sie,

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dort

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und dort.

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Mit Richt-Mikrofonen und Wärmebild-Sichtgeräten. Sie beobachten uns Tag und Nacht.“

„Uns“ – das umfasst im Moment etwa fünfzig Männer aus Afrika, einige noch sehr junge Burschen von vielleicht dreizehn, vierzehn Jahren, die auf dem terrassierten Steilhang in Zelten wohnen, sowie eine eingeschworene Gruppe von Helferinnen und Helfern, die sich um den jungen Bergbauern aus dem Tal der Roya zusammengeschlossen hat.

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Seit Monaten verfolge ich im Internet die Aktivitäten dieser Vorkämpfer für die Erfüllung der Menschenrechte, die in den nationalen Gesetzen – in Frankreich mehr noch, als in Österreich – und in der Genfer Menschenrechts Konvention festgeschrieben sind. Etliche Omas und Opas aus dem italienisch-französischen Grenz-Tal haben nicht gezögert, Wanderer von der Straße in ihren Autos mitzunehmen und sie in ihren Häusern zu beherbergen. Nach dem Gesetz wäre es die Pflicht des französischen Staates, hier des Departements der Meeres-Alpen, Alpes maritimes, mit ihrem Präfekten in Nizza, für Unterkünfte von Asylsuchenden zu sorgen, und zwar besonders für die Versorgung Minderjähriger. Doch im gesamten Departement an der Côte d’Azur gibt es kein Quartier für Flüchtlinge und der Präfekt denkt auch kaum daran, eines einzurichten.

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Denn diese Küsten-Region, wo vom stolzen Kleinbürger bis zum super-reichen Scheich jeder seinen Urlaub verbringt, ist traditionell eine Hochburg der Rechten. Zahlreiche Bürgermeister gehören zu LePens „Nationaler Front“. Das sind jene, die auf den öffentlichen Stränden das Tragen der Burkinis verbieten wollten, also kaum eine rassistische Gelegenheit auslassen, sich ins „rechte Licht“ zu rücken.

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Also wird die Polizei angewiesen, alle Flüchtenden, die unterwegs geschnappt werden, einfach über die Grenze nach Italien zurück zu schieben und keine Asyl-Gesuche entgegen zu nehmen. Anfangs weigerten sich manche italienische Gendarmen diese illegalen Handlungen mit zu machen, doch inzwischen funktioniert die Kooperation nahtlos.

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Dass hier Kinder, Jugendliche, schlecht oder gar nicht versorgt werden; dass die Behörden in Ventimiglia sogar die Versorgung durch Freiwillige am Bahnhof unterbunden hat – das wollten Cedric Herrou und seine Freunde nicht mitansehen. So mancher verzweifelter Mutter halfen sie auf ihrem Weg, so mancher frierende Bursche wurde am Bahndamm aufgelesen und in Sicherheit gebracht. Bis Cedric mit einem Kleinbus voll mit Jugendlichen aufgehalten wurde. Bis die Behörde permanente Kontroll-Punkte in der schmalen Schlucht am Ausgang des Alpen-Tals aufstellte.

Vor den Sommer-Ferien begleitete Cedric siebzig seiner afrikanischen Freunde nach Nizza, um bei der Präfektur um Asyl anzusuchen. Aus Protest gegen die verweigerte Herberge ließen sie sich in einem der schönen Parks zur Nachtruhe nieder. Als die Polizei zur Räumung schritt, verließen sie ohne Widerstand friedlich den Park.

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Dieses Aufzeigen der staatlichen Fahrlässigkeit blieb wohl nicht ohne Wirkung auf die französischen Richter auch dieser Region. Für die wiederholten Übertretungen setzte es zwar saftige Geldstrafen, aber die Solidarisierung ist gewaltig und verkehrt die Wirkung der Strafen ins Gegenteil. Auch viele konservative Franzosen wünschen sich einen intakten Rechtsstaat und haben die Grundwerte der bürgerlichen Revolution, Freiheit-Gleichheit-Solidarität, noch nicht ganz ad acta gelegt. So bekam der tapfere Partisan aus den Bergen auch in zweiter Instanz nur vier Monate mit Bewährung.

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Als wir die gewundene Schlucht zwischen Kalkfelsen und aufgefalteten Schichten-Bergen hinein kurven, erwarten uns die Grenzsoldaten der Grande Nation an einer Klause; und obwohl eine blonde Mutter mit zwei hellblonden Kinderschöpfen aus dem Pkw gucken, wird ein Blick tief ins Innere geworfen.

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Im ersten Bistro erkundige ich mich nach dem Weg. „Mit Cedric Herrou kooperieren wir aber nicht“, antwortet ein dunkel gekleideter und finster dreinschauender Gast mit versteinerter Miene. Doch die dürre Frau und der zweite Kunde am Tisch sind nicht so streng. Dort unten, fünfhundert Meter retour, wo links die Hängebrücke über die Schlucht führe,

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dort gehe rechts der Pfad hinauf. Ein paar Autos ständen unten an der Straße. Die waren mir sowieso aufgefallen.. Also den Rucksack gepackt, Regenjacken für die Kinder, drei WanDeRer-CDs als Gastgeschenk eingepackt und auf gehts..

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Bei dem kurzen Aufstieg erinnert mich die Struktur der Landschaft an die Terrassen in der Wachau. Hier sind es nicht Weinstöcke, sondern Olivenbäume, die in respektvollem Abstand auf den schmalen Landstreifen thronen, welche vor tausenden Jahren den steilen Berghängen durch den mühevollen Bau von Steinmauern abgetrotzt wurden.

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Und es sind diese weißen Natur-Stein-Mauern in Trocken-Bau-Weise, die es überhaupt möglich machen, was wir gleich staunend wahrnehmen werden: Dutzende Zelte am Rande des Abgrunds, doch sie wirken durchaus wetterfest. Auf den Terrassen dazwischen begegnen wir ein paar Gänsen, schmale Acker- und Gartenstreifen sind mit Elektro-Maschen-Zaun umgrenzt.

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Der erste dunkel-schwarze Bewohner kommt uns von oben entgegen und weist uns den Weg. Bald streifen uns Blicke seiner Kollegen, die in den Eingängen einiger Zelte sitzen, sich ruhig in einer uns fremden Sprache verständigen.

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Wo ich mir einen stattlichen Bergbauern-Hof erwartet habe, krallt sich eine kleine, schiefe Hütte an die steile Bergflanke.

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Doch davor ist eine offene Gemeinschafts-Küche errichtet, unter einer soliden Holzkonstruktion, die ein Blechdach trägt. Eine freundliche, weiße Plane, einem kleinem Zirkuszelt gleich, mit mehreren Spitzen, vergrößert den beschatteten Lagerplatz, der von einer Art Schank, langen Tischen und Bänken begrenzt wird.

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In etlichen dunkelbraunen Gesichtern sehe ich sehr müde Augen, in einigen spiegeln sich die erfahrene Qual, traumatisierende Erinnerungen von Verfolgung, Flucht, Gewalt, Trennung oder Verlust. Diese Menschen bewegen sich ruhig und überlegt, so, als ob keiner den anderen durch eine plötzliche Bewegung, durch ein lautes Geräusch, erschrecken möchte.

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Wir kommen an der Dusche vorbei, daneben ein gezimmertes Trocken-Klosett zum Sitzen für Frauen, mit Hobelscharten zum Zu-decken. Die schönste Klo-Aussicht, die man sich vorstellen kann!

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Zwei Waschmaschinen gehören zum Herz dieses Rast-Platzes in den französischen Alpen. Wäsche hängt auf den Leinen zum Trocknen, eine Trommel wird eben mit der nächsten Ladung Schmutzwäsche gefüllt…

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In der Hütte einige HelferInnen von nah und fern. Cedric ist noch nicht zurück, aber er komme bald. Ich spüre, dass hier schon zu oft ungebetene Gäste aufgetaucht sind, Neugierige, lästige Journalisten, Typen, die, ohne zu fragen, einfach drauf los filmen, oder die Leute fotografieren..

Ständig machen sich Menschen auf den Weg, kommen Freunde aus der Region oder aus Paris, Italien, Deutschland oder England. Eine Helferin gibt einen Zeichenkurs, der andere macht „Medrassa“, das heißt nicht nur Koranschule, sondern auch einfach Schule, denn es gäbe im Arabischen kein weiteres Wort dafür. Er ist in Frankreich geboren, seine Eltern stammen aus Kamerun. Er lehrt hier Französisch auf Englisch und lernt dabei selbst Arabisch…

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Später kommt Cedric. Er begrüßt zuerst die jungen Burschen mit zärtlichen Gesten und einer einnehmenden Freude im Gesicht. Die HelferInnen berichten ihm die Neuigkeiten, sie stehen locker im kleinen Kreis, wie bei einer Party. Ein schönes Gefühl von gemeinschaftlichem, selbstverwaltetem Zusammenleben.

Ich stelle uns kurz vor und unseren kurzen Solidaritäts-Besuch. Überreiche ihm meine drei WanDeRer-CDs und eine Spende. Er erzählt von der strengen Überwachung. Dass sie finanziell sehr gut unterstützt werden durch die Solidaritäts-Bewegung. Meine Einträge auf ihrer Website hat er nicht gesehen, denn die sollte er erst genehmigen, aber dazu fehlt ihm die Zeit. Kurz erzähle ich ihm vom antifaschistischen Engagement meiner Familie, damals. Seine Mutter stammt aus Deutschland. War sie Kommunistin? Nein, nein, nur nicht einverstanden mit dem, was damals passierte. Sie ist von der Gestapo verfolgt worden und konnte sich in diese Berge hier flüchten…

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Wir werden von den Flüchtlingen mit einem Riesen-Teller Reis und diversen Saucen bewirtet. Ich möchte sie nur von hinten fotografieren, aber einige bestehen darauf, „nice picture“, von vorne, zu machen. Zum Übernachten gibt es ein freies Zelt mit Iso-Matten und erstaunt stelle ich fest, wie eben die Erde auf diesen Terrassen im Steilhang angelegt ist, dass wir besser schlafen, als viele Nächte auf obersteirischen Schaf-Almen.

 

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(solide, alte Steintreppe ohne Geländer)

Am nächsten Morgen wird mir bald klar, dass es hier kurzfristig keine Arbeit für uns gibt. Die Aktivisten-Gruppe schmiedet Pläne für den Herbst. Wir brauchen eine europäische Offensive für die Rechte der Flüchtlinge. Europa-Parlamentarier, Politiker, Juristen…alle Kräfte sind aufgerufen, sich zu vereinen, um gemeinsam eine Gegenmacht zur Einhaltung der Genfer Flüchtlings Konvention zu bilden.

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Am Nachmittag umarmen wir die Freunde zum Abschied und wünschen ihnen „Bonne Courage“ – Guten Mut. In Südfrankreich sind drei Küsse auf die Wangen üblich.

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Wir fahren die Roya entlang nach Ventimiglia. Trotz der ablehnenden Haltung eines Teils der Bevölkerung –

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der Miteigentümer des Pfades hat erst vorgestern zwei große Steine in den Weg gelegt – stehen in diesem Tal immer noch etliche felsenfest zu ihrer Überzeugung, dass Hilfe und Nächstenliebe niemals ein Verbrechen sein kann. Täglich kochen sie hier für die hunderten Flüchtlinge, die in der italienischen Grenzstadt am Ausgang ihres Tales festsitzen.

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Abends helfen wir bei der Ausgabe des warmen Essens.

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Wir treffen HelferInnen aus dem Roya-Tal, aus der italienischen Region um Ventimiglia, auch wenn hier gerade heute eine Demo gegen Flüchtlinge statt gefunden hat, aus Bremen, PfadfinderInnen aus Rom, engagierte Helfer aus England und eine nette Journalisten-Familie aus Argentinien.

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Hier die Links zur Küchen-Gruppe, sie können Hilfe und Spenden brauchen:

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https://m.facebook.com/KeshaNiyaProject/?refid=52&__tn__=R-R

https://www.facebook.com/search/top/?q=progetto20k

Ad Quellen. Quellen??!!

Heute werden oft seriöse Quellen im Netz eingefordert. Es gibt Listen, auf die verwiesen wird, wie etwa diese: https://medium.com/@fpoeticker/das-abc-der-unseri%C3%B6sen-quellen-eine-%C3%BCbersicht-e5fe1322fb2f

Dort heißt es etwa über RT: „Wie auch andere vom Kreml finanzierte Kanäle verfolgt RT eine politische Agenda.“ Ich finde, es ist gut zu wissen, woher eine Informaton kommt. Aber: verfolgt die FAZ, DerSpiegel oder DiePresse etwa keine politische Agenda? Sie tun es alle. Eben eine andere.

Zugegeben, dass die Bandbreite der zugelassenen Kommentatoren beim TheGuardian, DerStandard oder Falter ziemlich breit ist.Aber heißt das, dass dort jeder Kommentar willkommen ist? Nada. Das heißt es nicht. Manche werden von vornherein abgedreht, auch beim Guardian, wie erst unlängst im öffentlichen Diskurs zu erfahren, Kommentar-Funktionen werden abgedreht, oder auch schrittweise eingeschränkt, wie etwa heute, am 18.Juli 2017 Thomas Schmidingers Aufmerksamkeit nicht entgangen: „Thomas Schmidinger: Interessant: Auf der Seite der Wiener Zeitung ist der Link zum kritischen Kurz-Porträt von Solmaz Khorsand samt Diskussion plötzlich verschwunden. Übt sich da wer in der Zeitung der Republik bereits in vorauseilendem Gehorsam?“

Ich finde es gut, auf Quellen hinzuweisen, und ich bin sicherlich nicht der Sorgfältigste bei der Weitergabe von Informationen. Auch auf reine Falschmeldungen oder längst verjährte, dringende „Breaking“-News bin ich von meinen Fb-Freunden schon aufmerksam gemacht worden.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass zuerst die Meldung gelesen werden sollte. Dass das ausschließliche Hinweisen auf Quellen-Makel eine Art der Diffamierung von Meinungen ist, die für mich stark in die Richtung weist, dass der Quellen-Mahner selbst Fehler macht, die er nur beim „Anderen“ sehen will.

Ich habe in Österreich Jahrzehnte lang erlebt, wie die gesamte bürgerliche Presse, inklusive die sozialistische ArbeiterZeitung, Stillschweigen, ja Totschweigen bewahrt hat über die Zustände in den „Erziehungsheimen“ oder Jugend-Straflagern, wie wir sie auch genannt haben. Obwohl wir einen leeren Tiger-Käfig zu Ostern besetzten und die Turmstube des Stephans-Doms, in eine ORF-Live-Sendung mit einem der Betroffenen eindrangen – die großen Zeitungen erwähnten die Missstände kaum. Es dauerte noch mehr als 30 Jahre bis die Folter an Jugendlichen, flächendeckender sexueller und autoritärer Missbrauch, durch Erzieher, Ärzte und Pfleger der Kirche, des Staates und der Gemeinden, einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde.

Einzig und allein die kommunistische Volksstimme berichtete damals ausführlich und wahrheitsgetreu. Was eben nur wenige Leser damals erfuhren, war die totgeschwiegene Wahrheit.

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Nein ich bin kein Freund von Putins Politik. Ich stimmte auch damals mit der politischen Ausrichtung der Moskau-finanzierten Volksstimme in wichtigen Bereichen nicht überein. Das ändert aber nichts daran, dass in diesem Medium wichtige Informationen veröffentlicht wurden, die man sonst nirgends lesen konnte.

Auch die Reportagen meiner Mutter über das Leben der einfachen Menschen in Österreich in der StimmeDerFrau, deren Chefredakteurin sie lange Zeit war, sowie ihre Berichte über die Prozesse gegen Nazi-Verbrecher, dem Jägerstätter-Prozess, dann ihre Begegnung mit einem der Nazi-Täter von Mauthausen in der Volksstimme sind Zeitdokumente von unschätzbarem Wert.

Im österreichischen offiziellen Kulturleben und Publikationswesen hat viel zu lange der blinde, blöde Antikommunismus regiert, der Picasso, Brecht, Kreisler und viele andere hervorragende Künstler und Journalisten zu Un-Personen degradierte und jahrzehntelang boykotierte.

Das sollte im Internet keine Fortsetzung finden.

Fragen nach und Hinweise auf Quellen: bittesehr!

Diffamierung ohne auf den Inhalt einzugehen: neindanke.

Warum ich seit einem Jahr kostenlos Flüchtlinge unterrichte.

Warum ich seit einem Jahr kostenlos Flüchtlinge unterrichte.

Heute nimmt nur ein Schüler an meinem Unterricht teil. Obwohl alle aus unserem Schulprojekt die A1-Prüfung prima bestanden haben, ist die Stimmung sehr gemischt. Einige bereiten sich auf Verhandlungen vor, etliche ringen mit der Depression. Nicht einschlafen können, Angst-Träume – zu den traumatisierenden Erfahrungen in ihrem jungen Leben kommt hier die Zermürbung durch das jahrelange Warten, die ablehnenden Bescheide der Erst-Instanz, die Nachrichten von Abschiebungen. Ohne Schlafmittel oder viel Alkohol geht kein Auge mehr zu. Die Neben-Folgen kann man von manchen Gesichtern ablesen…

Im Arbeitsbuch blicken wir gemeinsam auf die Bilder von „Pauls Kindheit“. Saed [Name geändert] beschreibt sie mit einigen Sätzen. Er hat die Inhalte richtig verstanden und kann sie erklären. Die Stellung der Hilfszeitwörter müssen wir noch üben.

Dann lesen wir im Buch:

„…und jetzt Sie! Was haben Sie gemacht?“

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Pause.

Bitte, erzähle von deiner Kindheit!

Saed:

Ich kann mich an meine Kindheit gut erinnern.

Ich musste früher viel arbeiten.

Ich musste jeden Tag arbeiten.

Auch Samstag und Sonntag.

Nur manchmal durften wir am Freitag ein paar Stunden früher aufhören.

Meine Eltern in Afghanistan waren gestorben, als ich eineinhalb Jahre alt war.

Dann ist mein Onkel nach Iran gefahren.

Später ist er nach Afghanistan zurück gefahren und hat uns bei Herrn Hadschi Omar [Name geändert] gelassen.

Ohne zu arbeiten hätte ich nichts zu Essen und Trinken bekommen.

Wir sind elf Kinder [dort gewesen.]

Jeden Tag mussten wir zehn oder elf Stunden arbeiten.

Wir haben auf einem großen Bauernhof gearbeitet.

Dort gibt es verschiedene Obst- und Gemüse-Sorten.

In den Obstgärten und auf den Gemüsefeldern haben wir gearbeitet.

Wir haben keine Zeit zum Spielen gehabt.

Wir haben um sechs Uhr in der Früh aufstehen müssen.

Zwanzig Minuten haben wir Zeit für Frühstück gehabt.

Um ein Uhr haben wir Mittagspause gehabt.

Bis sieben oder acht haben wir am Abend gearbeitet.

Abends sind wir so müde gewesen, dass wir manchmal nicht einmal mehr zu Abend essen konnten.

Als ich vielleicht acht Jahre alt war, sollte ich einmal ein Schaf halten, aber ich war nicht stark genug. Ich habe nicht los gelassen, so hat mich das Schlaf mitgeschleift, dass ich ganz blutig auf der Hand und am Bein war.

Wir bekamen nur Essen und ein Haus zum Schlafen.

Im Garten stand ein altes Haus mit drei Zimmern, dort schliefen wir zusammen auf Teppichen am Boden. Ich habe früher immer auf dem Boden geschlafen und schlafe auch jetzt meistens am Boden. Wenn ich auf dem weichen Bett schlafe, habe ich am Morgen Schmerzen am Hals und Rücken.

Manchmal sind wir im Teich schwimmen gegangen.

Aber die Ufer waren sehr sumpfig und mit Schilfrohr verwachsen.

Einmal ist ein Kind dort gestorben.

Es ist hineingesprungen und mit dem Kopf im Sumpfboden stecken geblieben.

Am Freitag sind viele Kinder dort Baden gegangen.

Aber es war kein schönes Wasser, es war schmutzig.

Am Morgen kam ein Auto uns abholen.

Manchmal ist eine alte Frau zu uns Kochen gekommen.

Sonst haben wir selbst gekocht.

Zu Essen bekamen wir Reis oder Kartoffeln.

Von der Arbeit nahmen wir Gemüse mit, oder Obst.

Wir arbeiteten in den Erdbeeren, Äpfeln, Wassermelonen, Zuckermelonen, im Weingarten, bei den Karotten, Paprika und viele verschiedene..

Es wurde in der Stadt verkauft und auch an eine Firma geliefert.

Ich wäre immer gerne Zahnarzt geworden, aber ich durfte nicht.

Im Sommer ging ich am liebsten zur Arbeit in den Weingarten, denn ich esse Weintrauben sehr gerne.

Grüne Bohnen, das war sehr schlecht für mich, das war eine sehr schwierige Arbeit. Dann hat mir immer der Rücken so weh getan und ich war sehr müde.

Hadschi Omars Vater war nicht so schlecht. Aber er ist bei einem Unfall gestorben.

Herr Hadschi Omar war sehr schlecht mit uns.

Er war Opium-süchtig.

Uns Kndern hat er, wenn wir vor Müdigkeit nicht mehr arbeiten konnten, Tee mit ein paar Tropfen Opium zu trinken gegeben, dann haben wir keine Schmerzen mehr gehabt und konnten weiter arbeiten.

Am Nachmittag waren alle Kinder müde, dann hat er ihnen Opium-Tee gegeben.

Wenn ich diesen Tee getrunken habe, musste ich immer erbrechen.

Zum Glück haben ich und einige Kameraden den Tee nicht vertragen.

Die anderen Kinder sind später alle Opium-Raucher geworden.

Herr Hadschi Omar ist sehr reich. Er besitzt viele Gemüse-Äcker und Obst-Plantagen.

Er hat drei Fabriken: eine Saft-Presserei, eine Verpackungs-Fabrik und eine Konserven-Fabrik.

Als ich elf oder zwölf Jahre alt war, kam eines Tages ein Mann zu uns, er hieß Tolbay [Name geändert] und stammte auch aus Afghanistan.

Er fragte mich: ‚Du arbeitest gut jeden Tag, wie viel bekommst du?‘

Ich habe gesagt: ‚Nichts. Nur Essen und einen Schlafraum.‘

Er hat gesagt: ‚Nein, das ist schlecht, komm lieber zu mir.‘

Aber Hadschi Omar sagte: ‚Nein, du musst bei mir arbeiten. Du bist mir viel Geld schuldig für das Essen und die Kleidung, die ich dir gegeben habe!‘

Bis dahin habe ich geglaubt, das sei für alle Menschen gleich, dass sie kein Geld bekommen, sondern nur für Essen und Schlafen für die Grundbesitzer arbeiten.

Nur arbeiten, habe ich gedacht, wachsen und dann sterben.

Ich habe mich bei Tolbay bedankt und eines Abends ist er uns mit einem Auto holen gekommen, mich und zwei Kollegen.

Er ist mit uns in eine andere große Stadt gefahren.

Zuerst hab ich befürchtet, dass Omar vielleicht zu mir kommt, um mich zu holen.

Jetzt habe ich jeden Tag mit Tolbay gearbeitet und jeden Tag gutes Geld bekommen.

Zum Beispiel du brauchst ein Haus und Tolbay kann selber alles für dich machen und baut dir das Haus. Mit Steinplatten haben wir gebaut.

In kürzester Zeit habe ich die Maurer-Arbeit gelernt.

Durch Tolbay habe ich viele Freunde gefunden.

Nach zwei Jahren mit Tolbay konnte ich schon gut selber Aufträge annehmen, wenn mich jemand gefragt hat.

Von da an habe ich immer als Maurer gutes Geld verdient.

Ich und mein Freund konnten oft anderen armen Menschen helfen.