Defending history – so heißt die website von Dovid Katz. Die Geschichte verteidigen? Welche? Gegen wen?

Es geht um die Geschichte des Holocaust, um die Geschichte der Nazi-Verbrechen und des Widerstands dagegen. Und es geht um eine ganze Reihe von Verbrechern, die an der Seite von Wehrmacht und SS eigene Verbände angeführt haben, die in verschiedenen osteuropäischen Ländern zig-tausende Juden, Roma und politische Gegner ermordet haben – Verbrecher, die heute zu National-Helden geschönt werden. In Estland, Litauen, Lettland, Ungarn,….Zu diesem Zweck wird seit Jahren zunehmend die Geschichte umgeschrieben. Und Menschen, die dagegen auftreten und an-schreiben werden verfolgt!

27-07-2013 Rav 22

Ein wichtiger Anker-Punkt für diese Geschichts-Verschleierer war deren Prager Erklärung zum Gewissen Europas und zum Kommunismus vom 3. Juni 2008, die vor allem von ost-europäischen Politikern unterzeichnet wurde – und vom späteren deutschen Präsidenten Gauck, der ja in der DDR aufgewachsen ist und, sein Vater verfolgt, schon als Kind zum Kommunisten-Hasser wurde. Den Unterzeichnern ist es inzwischen nicht nur gelungen, einige Konferenzen durch EU-Gelder gestützt, abzuhalten, sondern sie haben ihren Vorschlag, einen eigenen Gedenktag für den „doppelten“, den „rot-braunen“ Holocaust einzuführen, beim Europa-Parlament durchgebracht. Der Tag, an dem Ribbentrop und Molotow den Hitler-Stalin-Pakt unterzeichneten, der 23.August, wurde vom Europäischen Parlament am 2.April 2009 zum Gedenktag ausgerufen!

 

(es folgt ein Auszug aus Ein Super-GAUck, Clemens Heni, und andere, Edition Critic, hier von Dovid Katz:) Was ist die Prager Deklaration?

 

Sie ist ein „zwielichtiges Dokument“…das den Holocaust aus der Geschichte streichen will, ohne einen einzigen Toten zu leugnen. Von osteuropäischen Politikern des äußersten rechten Rands ersonnen, die die Geschichte des Holocaust in ein Märchen eines „doppelten Holocausts“ zweier „gleichwertiger totalitärer Regimes“ umschreiben und damit die weitverbreitete lokale Kollaboration an den Morden vergessen machen wollen, kommt das Wort „gleich“ an fünf Stellen der Prager Deklaration vor:

 

Die von den kommunistischen Regimes begangenen Verbrechen gegen die Menschheit müssen in gleichem Ausmaß in der Erinnerung verankert werden, wie die des Nazi-Regimes.“

 

usw., usf. (Zitat Ende)

 

Die Erstunterzeichner sind Vaclav Havel, Joachim Gauck und weitere zwei Dutzend Personen, größtenteils aus Osteuropa, die mir alle nichts sagen.

Cui bono?

Stelle ich mir die Frage, wem diese Aktivitäten nützen, so ergibt sich folgendes:

Gauck hilft den (West-)Deutschen, sich nicht mehr so schuldig zu fühlen. Er wertet die (Ost-)Deutschen auf, deren Opfer-Rolle mindestens so schlimm, wie die der Nazi-Opfer war. Alle lieben ihn, von CSU bis Grüne. Wird Präsident. Hat ausgesorgt. Deutschland kann das Kapitel Holocaust endlich schließen und in erneuter nationaler Eintracht Weltpolitik machen.

Dass Havel diese Inszenierung ermöglichte, mehr davon etwas weiter unten..

Für einige Staaten, in denen faschistische Banden, im Windschatten der Hitler-Armeen, hunderttausende Juden, Roma und andere, als Opfer ausersehene Menschen mordeten, bildet diese Geschichts-Auffassung die Basis, um ein neues National-Gefühl entstehen zu lassen. Dazu braucht es Helden…

Europa 1933-34

Um den akuten Helden-Mangel zu verstehen, der aktuell in etlichen Ländern herrscht, sehen wir uns die politische Landkarte Europas vor dem zweiten Weltkrieg an. (Natürlich gab es in jedem Land wahre Helden, doch die eignen sich nicht als Vorbilder für aggressiven Nationalismus, wie seit dem Zerfall des Ostblocks als Leitmotiv diverser Politiker wieder in Mode gekommen)

Mittel- und Ost-Europa ist von faschistischen und nationalistischen Diktaturen geprägt: Dollfuß/Schuschnigg-Ständestaat in Österreich, Mussolini in Italien, Horthy in Ungarn, Pilsudsky in Polen, Smetona in Litauen, Päts in Estland, Ulmanis in Lettland, Königsdiktaturen unter Druck von Faschisten und Ultra-Nationalisten in Rumänien und Jugoslawien.

Die Tschechoslowakei, mit einer links-liberalen Regierung war das einzige Nachbarland, in das die österreichischen Februarkämpfer nach der Niederschlagung durch den Austro-Faschismus flüchten konnten.

[Diese Tschechoslowakei hat aber doch siegreiche Helden genug, von Hus, Ziska bis zu Masaryk.. Präsident Havel, ein Vertreter des absurden Theaters, hat persönlich sehr gelitten. Er war circa fünf Jahre in Haft und wurde schwer krank. Trotzdem ist seine Beteiligung enttäuschend. Seine Aktivitäten begann er mit dem Reform-Kommunisten Dubcek, und es waren ehemalige Kommunisten aus Österreich, größtenteils jüdischer Herkunft, die ihn und seine Familie, sowie seine Freunde von der Charta 77 während der Gefängniszeit unterstützten.]

Die Taten der nationalen „Helden“

In all diesen Ländern, sowie in verschiedenen Teilen der Sowjetunion nach dem Einmarsch der deutschen Truppen, gewannen faschistische Banden an Boden und mordeten in Kollaboration oder Eigenregie.

Als ein Beispiel für das Ausmaß dieser Verbrechen hier der Bericht über das klerikal-faschistische Kroatien 1941-44: In dieser Zeit wurden von der gewaltsam zum römischen-faschistischen Bewegung der Ustaschi etwa 240.000 serbisch-orthodoxe Christen gewaltsam zum römischen Katholizismus bekehrt und 750.000 bestialisch umgebracht. Von Anfang an arbeiteten der katholische Klerus und die Ustascha-Bewegung eng zusammen. Erzbischof Stepinac, der 1942 vom Vatikan zum Militärvikar der Ustaschis ernannt wurde, saß mit zehn seiner Geistlichen im Ustascha-Parlament. Priester arbeiteten als Polizeichefs und in der Leibwache Pavelics, des kroatischen Staatsoberhaupts. … Mehrere (Franziskaner)Mönche und Patres übernahmen Henker-Posten in den rasch eingerichteten KZ, wo die serbischen Orthodoxen massenweise enthauptet wurden. Die Massaker waren so grauenvoll, dass selbst die verbündeten deutschen Faschisten protestierten. (Zitiert aus Joachim Kahl, Das Elend des Christentums, Rowohlt 1968)

Und in Hitlers Heimat?

Gauck hilft den Deutschen, sich nicht mehr schuldig zu fühlen.

Die Österreicher brauchen diese Hilfe nicht. Sie haben sich nie schuldig gefühlt.

Wir waren ja das erste Opfer! Diese Doktrin wurde in Moskau mit Stalin vereinbart, der Interesse an einem neutralen Österreich bekundete. Alle drei Staats-gründenden Parteien stimmten zu. (Konservative, Sozialdemokraten, Kommunisten) Auf diese Lüge baute man die neue österreichische Nation und mindestens fünfzig Jahre lang wurde fest gemauert gegen jeden Versuch die Wahrheit offen zu legen. Dass nicht die Amerikaner, sondern die Rote Armee Wien befreit hat, lässt man anlässlich des D-Days gerne unter den Tisch fallen, sowie die Tatsache, dass der befehlende russische General eine Liebe zur Wiener Kultur hatte und alles tat, um die Stadt zu schonen, die nach Hitlers Befehl wie Berlin in Schutt und Asche gelegt werden sollte. Auch den Wiener Unteroffizier der Wehrmacht, der unter Lebensgefahr desertierte und den Befreiern den besten Weg zeigte, kennt keiner. Wer braucht schon wahre Helden?

Erinnerungs-Kultur im Sinne der Prager Erklärung ist hier allgegenwärtig und der Antisemitismus schon lange vor Hitler breit und tief verankert.

Im Parlaments-Klub der Konservativen hängt das Bild von Kanzler Engelbert Dollfuß, der auf die Arbeiter-Wohnungen mit Kanonen schießen ließ. Er schaltete das Parlament aus und erwog den Einsatz von Giftgas gegen streikende E-Werk-Arbeiter.

Während die Einigkeit der Parteien an den Gedenktagen immer breiter wird, werden die Erklärungen immer farbloser. Im Austro-Faschismus wurden nicht hunderttausende ermordet, nur hunderte. Die Arbeiter-Parteien und Gewerkschaften wurden verboten, die Pressefreiheit abgeschafft, politische Gegner in Lager verbannt. Mein Großvater war einer davon, im Anhaltelager Wöllersdorf. So wurde die vielleicht best-organisierteste Arbeiterbewegung der Welt zerschlagen, der Weg für den Nationalsozialismus geebnet. Die Bürgerlichen hatten Hitler nichts entgegen zu setzen außer: „Gott schütze Österreich!“

SS-“Helden“-Verehrung

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Schoah kommen vielerorts Verbrechen ans Licht, die bis dahin weitgehend unbekannt waren, wohl auch durch die Ausmaße der Nazi-Barbarei, die alles bisherige in den Schatten stellte,. In der Schweiz und in Schweden im Zusammenhang mit den Nazis, aber auch Zwangs-Sterilisierungen von Jennischen und Roma, in Frankreich und England die Massaker in den Kolonien, in Irland die Gräuel an ledigen Müttern und unehelichen Kindern. In Österreich merkt man langsam, dass es hier ja doch nicht nur ein Vernichtungslager gegeben hat und nach und nach entdeckt man immer mehr unbekannte Gräber fern von den Stahlhelm-Denkmälern für die „Helden des ersten und zweiten Weltkriegs“.

Doch weiter im Osten, wo fünfzig Jahre lang, von oben verordnet, nur die Helden der Roten Armee verehrt werden durften, geht es jetzt Schlag auf Schlag. Die Geschichte wird umgeschrieben, der Kampf gegen die Sowjets zum Heldentum. Geschichtsbücher neu verfasst, Museen gegründet:

„Jeder, der dem ‚Genozid‘ gewidmete Museen in Budapest, Riga, Vilnius und anderswo besucht hat, weiß sehr gut, dass dort Hitlers Genozid heruntergespielt oder völlig ignoriert wird, dass das Konzept des Völkermords neu definiert wurde, damit es Stalins Verbrechen einschließt.

Und so war es beispielsweise in den baltischen Staaten leicht zum nächsten Schritt überzugehen: Der Glorifizierung lokaler Holocaust-Mörder und -Helfer als Nationalhelden, weil sie „antisowjetisch“ waren. Erst kürzlich, am 14.Februar 2012, verabschiedete das Parlament Estlands ein Gesetz, das es dem Staat ermöglicht, estnische Mitglieder der Waffen-SS auszuzeichnen. In Lettland und Estland finden Paraden und Feiern in den Herzen der Hauptstädte statt, die mit Unterstützung breiter Kreise der Politik die Waffen-SS feiern. In Litauen ehren staatliche Institutionen die Litauische-Aktivisten-Front(LAF), die schon Tage vor dem Einmarsch der ersten deutschen Truppen in der letzten Juniwoche 1941 jüdische Mitbürger ermordete.

Doch der neuen extremen Rechten reicht es nicht, ihr ultranationalistisches Geschichtsbild in den eigenen Regionen zu etablieren. Indem sie ihren neuen Revisionismus geschickt verpacken, was ich Verschleierung des Holocaust nenne (gegen den schwerer vorzugehen ist als gegen einfache Holocaust-Leugnung), können sie ihr abgefeimtes neues Modell erfolgreich in den Westen exportieren. Die Prager Deklaration ist das Herzstück dieser Bemühungen.

Inzwischen werden im Baltikum aufgrund neuer Gesetze noch lebende jüdische Partisanen, die aus dem KZ geflohen und sich der Widerstandsbewegung in den Wäldern angeschlossen haben, als Kriegsverbrecher verfolgt und von Polizei und Justiz drangsaliert, sodass sie die Wahl zwischen der Emigration oder tatsächlicher Einkerkerung haben. (siehe: http://www.holocaustinthebaltics.com/)

Währenddessen macht Herr Gauck den Krieg wieder salonfähig in deutschen Landen.

27-07-2013 Rav 19

Advertisements